Gegenläufige Märkte an der Milchbörse in Ost und West

Beim 31. Milchquotenbörsentermin sind die Marktverhältnisse zwischen den Übertragungsgebieten Ost und West unterschiedlich. Während es im Handelsgebiet West einen deutlichen Nachfrageüberhang gab, war im Gebiet Ost die Angebotsmenge fast dreimal so groß wie die Nachfrage. Entsprechend gegenläufig entwickelten sich die Gleichgewichtspreise: im Westen stieg der Quotenpreis leicht auf 12 Cent/kg (April: 11 Cent/kg), im Osten sank er auf einen historischen Tiefststand von 3 Cent/kg (April: 7 Cent/kg).

Die Gesamtnachfrage zum 1. Juli 2010 lag in Deutschland mit 329,5 Mio. kg deutlich über dem Gesamtangebot von 254,6 Mio. kg. Gegenüber dem Apriltermin stieg die gehandelte Menge leicht an, 188,1 Mio. kg wechselten im gesamten Bundesgebiet den Besitzer. Der gewogene Durchschnittspreis für Deutschland blieb mit 11 Cent/kg zum Apriltermin unverändert. Während rund 93 % aller Quotenanbieter zum Abschluss kamen, waren nur etwa 65 % der Nachfrager erfolgreich. Im Übertragungsgebiet Ost schaffte es sogar jeder Nachfrager Quote zu kaufen.

Im Übertragungsgebiet West wurde ein Handelspreis von 12 Cent (April: 11 Cent) pro kg ermittelt. Fast 96 Prozent der Anbieter, aber nur knapp 65 Prozent der Nachfrager waren erfolgreich. Besonders im Übertragungsgebiet Niedersachsen/SH und in Nordrhein-Westfalen wurden deutliche Nachfrageüberhänge verzeichnet, während in Bayern die Nachfrage stärker hinter dem Angebot zurück blieb. Fast 54,5 Mio. kg wanderten unter dem Strich in das norddeutsche Übertragungsgebiet, um fast 39 Mio. kg nahm in Bayern die Quotenmenge ab. Auch in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz verringerte sich die Quotenmenge.
Im Übertragungsbereich Ost wurden 70,5 Mio. kg Quote angeboten, aber weniger als 25 Mio. kg nachgefragt. Nicht einmal jeder fünfte Anbieter war erfolgreich, jeder Nachfrager erhielt zumindest einen Teil der gewünschten Mengen. Allerdings konnten trotz des großen Angebotsüberhanges ca. 36 % der nachgefragten Menge nicht gehandelt werden. Der Gleichgewichtspreis im Übertragungsgebiet Ost sank mit 3 Cent/kg auf seinen bisher tiefsten Stand (siehe Grafik). In den Ländern Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen erhöhte sich die Quote leicht, während vorrangig in Sachsen-Anhalt die Quotenmenge abnahm.

Zwar scheint die Krise auf dem Milchmarkt überwunden zu sein, mit den wirtschaftlichen Rückschlägen dürften jedoch noch die meisten Milchbauern zu kämpfen haben. Auch die kurz- und mittelfristigen Milchpreiserwartungen geben nicht vielen Milchproduzenten "Anlass zu Freudenstürmen". Nicht alle Milchviehbetriebe haben die Milchkrise "überlebt", die es geschafft haben "lecken noch ihre Wunden".
Zwar ist ein gewisser Trend zur Quotenwanderung von Süd nach Nord zu erkennen, man sollte aber nach wie vor bedenken, dass in der Regel weniger als ein Prozent der Quote gehandelt werden und die Quotenbewegungen real betrachtet eher zu vernachlässigen sind. In Mecklenburg-Vorpommern sind unterm Strich seit April 2008 lediglich rund 21 Mio. kg Quote hinzugekommen. In Bayern gingen im gleichen Zeitraum über 74 Mio. kg Quoten verloren, während fast 125 Mio. kg in das Übertragungsgebiet Niedersachsen/SH wanderte.

01.07.2010 Preis, Euro gehandelte Menge (t) Menge in t Anbieter Nachfrager
angeboten nachgefragt gesamt erfolgreich gesamt erfolgreich
Deutschland 0,11 188.089,7 254.635,6 329.525,0 3.692 3.439 4.501 2.934
Ost 0,03 15.881,6 70.500,5 24.864,3 132 25 70 70
West 0,12 172.208,1 184.135,1 304.660,6 3.560 3.414 4.431 2.864
Übertragungsstelle
Baden-Württ.   17.456,7 16.764,0 419 407 349 217
Bayern 66.956,1 49.641,1 1.704 1.621 1.360 833
Niedersachsen* 63.170,7 176.395,5 848 813 1.903 1.395
Nordrh.-Westf. 19.476,2 45.602,3 284 279 581 299
Hessen 8.562,2 6.094,7 169 166 85 44
Rheinl.-Pfalz** 8.513,2 10.163,1 136 128 153 76
Milchquotenzu- oder -abgang
Übertragungsstellen West Saldo der Übertragungsstellen in t
Baden-Württemberg -8.637
Bayern -38.814
Niedersachsen* +54.519
Nordrhein-Westfalen +1.955
Hessen -5.876
Rheinland-Pfalz** -3.147
Übertragungsstellen Ost Saldo der Übertragungsstellen in t
Brandenburg -123
Mecklenburg-Vorpommern +2.967
Sachsen +241
Sachsen-Anhalt -4.273
Thüringen +1.188
Alle Zahlenangaben beziehen sich ausschließlich auf die gültigen Anträge, alle Angaben ohne Gewähr;
* zuständig für Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg
** zuständig für Rheinland-Pfalz und Saarland
Quelle: Deutscher Bauernverband e.V.
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Artikelinformationen
Herausgeber: LFA MV, Institut für Betriebswirtschaft 
Verfasser: Dr. H. Heilmann 
Erscheinungsdatum: 08. April 2010